Die erste Straße vom Gardasee hinauf zum Ledrosee wurde im Jahre 1847 fertiggestellt; in Folge konnte sich di Ledroregion einer der florierendsten Handelsstraßen Nord-Süd (Lago di Garda) anschließen.

Da große, landwirtschaftliche Flächen hier oben fehlten, konzentrierte man sich auf die Forstwirtschaft, die noch heute für zahlreiche Arbeitsplätze sorgt. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde vor und während des Ersten Weltkriegs allerdings jäh unterbrochen; die Auseinandersetzung zwischen den Truppen Italiens im Süden und den Habsburgern im Norden fanden genau in dieser Region ihren Höhepunkt.

In einer Linie beginnend am Gardasee (Viale Ponale) in etwa der Gipfellinie des Cima d‘Oro folgend und hinüber zu den Bergen des Valle de Concei befand sich die ‚Front‘; noch heute sind zahlreiche Wehranlagen auf den Bergen zu sehen, das Museum Garibaldi in Bezzecca widmet sich ausführlich diesem Thema. Kämpferische Auseinandersetzungen gab es nur wenige, viele Soldaten starben an Hunger und Kälte. Nach den Weltkriegen erfolgte der Wiederaufbau, die Hinterlassenschaften der Militärs dienten als Baumaterial für die Zivilgesellschaft, darunter Eisen und Kupfer. Zwischen den Kriegen wurde zudem ein für die Region wichtiges Projekt realisiert: das Wasserkraftwerk Riva del Garda. Das Wasser für die Stromerzeugung stammt aus dem Ledrosee, was die schwankenden Pegelstände außerhalb der Urlaubszeiten erklärt.

Der aus Riva stammende Architekt Giancarlo Maroni errichtete das Kraftwerksgebäude im Jugendstil, die prächtige Fassade kann man noch heute bewundern, das Kraftwerk selbst bietet regelmäßig Führungen an. Über starke Fallrohre wird das Wasser des Ledro in ein unterirdisches Stollensystem und durch die Turbinen unten an den Gardasee geleitet. Auf diese Weise werden jährlich ca. 80 Mio. KWh Strom erzeugt. Im Jahre 1929 sackte der Wasserstand des Ledrosees so weit ab, dass Überreste einer Pfahlbausiedlung sichtbar wurden.

Erst in den frühen 70er Jahren setzte der Tourismus im Valle di Ledro so richtig ein; der Gardasee hatte wegen der Besucherschwemme die ersten Gäste dazu bewegt, über Alternativziele nachzudenken, und folglich wuchs das Interesse am ‚kleinen Bruder‘ des Garda. 1972 gründete sich das Pro Loco Valle di Ledro – Konsortium. Heute verzeichnet di Ledrosee-Region eine Besucherzahl von jährlich fast 100 000 Menschen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: spätestens, als sich die Gemeinden zum Tourismusverband ‚Valle di Ledro‘ zusammenschlossen, zogen alle Ortschaften an einem Strang: der Auftritt der Region mit seiner attraktiven Internetpräsenz, die zahlreichen Prospekte und Karten und die Teilnahme an wichtigen europäischen Reisemessen erhöhten das Interesse der Urlauber deutlich. Verkehrstechnisch sinnvoll war der Neubau einer schnelleren Verbindung zwischen Riva und dem Ledrosee; der 6 km lange Tunnel bringt die Gäste heute schnell und sicher an ihr Ziel. Ein touristischer Paukenschlag war die Öffnung der alten Straße (‚ponale‘) für Fußgänger und Radler, über Nacht entstand eine neue Hauptattraktion!